Welche Sprache spricht man in Schottland? Vor allem Englisch. Die schottische Regierung nennt Englisch die Hauptsprache des Landes „nach Brauch und Gebrauch“. Daneben gibt es zwei Sprachen, die nur hier zu Hause sind: Scots, das fast jeder Zweite zumindest versteht, und Gälisch, das 2,5 Prozent der Menschen können. Wir erzählen dir, was hinter allen dreien steckt, und was davon bei uns auf der Reise angekommen ist. Spoiler: Für die Mädels haben wir oft übersetzt. 😅
Welche Sprache spricht man in Schottland im Alltag?
Englisch ist die Sprache, die du in Schottland überall hörst und liest. Die schottische Regierung bezeichnet es in ihrer Sprachpolitik als Hauptsprache nach Brauch und Gebrauch. Das ist genau gewählt: Englisch ist gelebte Praxis, ein Gesetz, das es festschreibt, haben wir nicht gefunden.
Wie selbstverständlich Englisch ist, zeigt auch der Census. Bis 2011 erfasste er Gebärdensprache und andere Sprachen nur über die Frage, ob jemand zu Hause eine andere Sprache als Englisch nutzt. Englisch war also der Maßstab, an dem alle anderen Sprachen gemessen wurden.
Neben Englisch, Scots und Gälisch zählt die Regierung British Sign Language und mehr als 150 weitere Sprachen, die der Census 2011 erfasst hat, zur Sprachlandschaft des Landes.
Scots: fast jeder Zweite
Scots ist die zweite große Sprache Schottlands, und sie ist weit verbreitet. Im Census 2022 hatten 46,2 Prozent der Menschen ab 3 Jahren Kenntnisse in Scots, also fast jeder Zweite. 2011 waren es noch 37,7 Prozent.
Kenntnisse heißt im Census: Scots sprechen, lesen, schreiben oder verstehen. Genauer aufgeschlüsselt gaben 1.508.540 Menschen an, Scots zu sprechen, 2.444.659 können es sprechen, lesen, schreiben oder verstehen.
Regional sind die Unterschiede groß. Am höchsten ist der Anteil im Nordosten, in Aberdeenshire mit 64,1 Prozent. Am niedrigsten ist er auf den Äußeren Hebriden, Na h-Eileanan Siar, mit 30,7 Prozent, dort ist Gälisch stärker.
Die Regierung nennt Scots eine indigene Sprache, die sie schützen will, und verfolgt seit 2015 eine eigene Scots-Sprachpolitik. Scots begegnet dir in Liedern, Gedichten und Literatur und im Alltag vieler Gemeinden. Zwei Einrichtungen, das Scots Language Centre und Scottish Language Dictionaries, finanziert die Regierung seit 2009 direkt.
Gälisch: 2,5 Prozent
Gälisch, auf Gälisch Gàidhlig, ist die kleinere der beiden Landessprachen und die ältere. In Schottland wird es seit mehr als 1.500 Jahren gesprochen, auch wenn sein Gebrauch über die Jahrhunderte zurückging.
Der Census 2022 zählt 2,5 Prozent der Menschen ab 3 Jahren mit Kenntnissen in Gälisch. Das sind 43.100 mehr als 2011, als es 1,7 Prozent waren. 2001 lag der Anteil bei 1,9 Prozent. Nach langem Rückgang wächst die Zahl also wieder. Gezählt wurde zum Census Day, dem 20. März 2022, und zwar alle Menschen ab 3 Jahren. Der Census-Bericht fasst die Sprachergebnisse übrigens auch in einem eigenen Abschnitt auf Gälisch zusammen.
Wo du Gälisch hörst, hängt stark von der Region ab. Auf den Äußeren Hebriden, Na h-Eileanan Siar, haben 57,2 Prozent Gälischkenntnisse, mehr als die Hälfte. Danach folgen mit weitem Abstand Highland mit 8,1 Prozent und Argyll and Bute mit 6,2 Prozent. In allen anderen Council Areas liegt der Anteil unter 3 Prozent, auch in Edinburgh. Mehr Zahlen zum Land findest du unter Schottland in Zahlen.
Gälisch im Stadtbild und in der Schule
Gälisch begegnet dir auch dort, wo kaum jemand es spricht, zuerst in Ortsnamen. Edinburgh heißt auf Gälisch Dùn Èideann, übersetzt „Festung von Èideann“. Die Regierung bietet ihre Seiten zu den Sprachen auch auf Gälisch und auf Scots an.
Rechtlich hat Gälisch seit dem Gaelic Language (Scotland) Act 2005 mehr Schutz und Sichtbarkeit. Das Gesetz erhielt im Juni 2005 die königliche Zustimmung und soll den Weg zum Status als Amtssprache ebnen. Aus ihm ging der Gälisch-Rat Bòrd na Gàidhlig hervor, der die Regierung berät und öffentliche Stellen um eigene Gälisch-Pläne bitten kann.
In der Schule gibt es Unterricht auf Gälisch, die Gaelic Medium Education. Seit dem Education (Scotland) Act 2016, in Kraft seit Februar 2017, können Eltern verlangen, dass ihre Kommune den Bedarf dafür prüft. Die Regierung selbst veröffentlichte im Oktober 2022 ihren dritten Gälisch-Plan.
Gebärdensprache und über 170 weitere Sprachen
Schottlands Sprachen enden nicht bei Englisch, Scots und Gälisch. Im Census 2022 gaben 117.300 Menschen an, British Sign Language zu nutzen, 2,2 Prozent der Menschen ab 3 Jahren. Rund 2.600 nennen Gebärdensprache als ihre Hauptsprache. Die Frage war 2022 neu, Vergleichszahlen gibt es deshalb nicht. Zwei von drei BSL-Nutzer:innen sind Frauen, 67,0 Prozent. Seit dem British Sign Language (Scotland) Act 2015 müssen die schottischen Minister und andere öffentliche Stellen alle sechs Jahre BSL-Pläne veröffentlichen. Insgesamt werden in Schottland mehr als 170 Sprachen gesprochen, von Punjabi und Polnisch bis Kantonesisch.
Was du auf der Reise brauchst
Für die Reise reicht Englisch, weil es die Hauptsprache des Landes ist. Gälisch oder Scots musst du nicht können. Bei Kindern sieht das anders aus: Im Juli 2022 lief die Führung im Red Deer Centre natürlich auf Englisch, die Mädels haben nicht viel verstanden, und wir haben das Wichtigste übersetzt. Eine unserer Töchter hat versucht, kleine Sachen selbst zu lesen und zu übersetzen. Im Advent 2023 haben wir in Edinburgh eine Stadtführung auf Deutsch gemacht, und so hatten auch die Kleinen etwas davon. Hör trotzdem hin: In Ortsnamen triffst du das Gälische, und Dùn steht für Festung, wie im gälischen Namen der Hauptstadt. Wie du Edinburgh richtig aussprichst, erklären wir bei der Aussprache von Edinburgh. Willst du Gälisch lernen, schau bei LearnGaelic und SpeakGaelic vorbei.






