- Eintritt
- 12 £ seit 5. Oktober 2026ca. 14 €, frei unter 16 und für Einwohner:innen Schottlands
- Mo bis Fr
- 10:00 bis 18:00 Uhrdonnerstags bis 17:00 Uhr
- Samstag
- 9:00 bis 17:00 Uhr9:00 bis 10:00 Uhr Stille Stunde
- Sonntag
- 13:00 bis 17:00 Uhrvormittags Gottesdienste um 9:30 und 11:00 Uhr
- Audioguide
- im Ticket enthalten, 25 Minutenper QR-Code aufs eigene Smartphone; Sprachen Englisch, Deutsch, Ukrainisch (Stand 30.09.2026)
- Führungen
- im Ticket enthaltenFührungen des Teams am Eingang, seit 5. Oktober 2026
- Toiletten
- Keinenächste barrierefreie Toiletten in der National Library of Scotland
- Gegründet
- 1124von König David I.
St Giles’ Cathedral in Edinburgh ist die Hauptkirche an der Royal Mile und steht seit 1124 an derselben Stelle. Hier predigte John Knox in der Reformation, heute ist sie die High Kirk of Edinburgh und versteht sich als Mutterkirche des Presbyterianismus. Seit Oktober 2026 kostet der Besuch Eintritt, für Kinder unter 16 und Einwohner:innen Schottlands bleibt er frei. Und was uns als Familie aus Österreich freut: Die Orgel drinnen kommt aus Österreich. Wir erzählen dir hier ihre Geschichte, zeigen dir, was du drinnen findest, und sagen dir, was du für den Besuch wissen musst. Nachgesehen haben wir am 27.10.2026.
Was St Giles’ Cathedral ist
St Giles’ Cathedral ist eine presbyterianische Kirche der Church of Scotland, in der seit über 900 Jahren Gottesdienst gefeiert wird. Sie ist zugleich Gemeindekirche und Ort nationaler Staatsakte.
Als High Kirk of Edinburgh war sie zuletzt Schauplatz zweier Ereignisse, die weit über Schottland hinaus zu sehen waren: Hier lag die verstorbene Königin Elizabeth aufgebahrt, und hier bekam König Charles III. die Honours of Scotland überreicht, die schottischen Kroninsignien.
Für dich als Besucher:in heißt das: Du gehst in eine lebendige Kirche. Sonntags um 9:30 und um 11:00 Uhr wird Gottesdienst mit Chor und Orgel gefeiert, werktags um 12:00 Uhr gibt es einen Mittagsgottesdienst. Die Kathedrale ist offen für Gottesdienst, für stille Einkehr und für Besuch, und genau in dieser Reihenfolge benimmst du dich dort am besten.
Von 1124 bis zur Reformation
Gegründet hat St Giles’ der schottische König David I., auf Gälisch Dauíd mac Maíl Choluim, im Jahr 1124. Die Kirche lag damals am östlichen Rand von Edinburgh und ist älter als der größte Teil der Old Town. Als David I. später die Holyrood Abbey gründete, deren Reste heute neben dem Holyrood Palace stehen, erlaubte er dem Abt, Häuser den Grat hinauf in Richtung St Giles’ zu bauen. So entstand der Canongate, und aus beiden zusammen wurde die heutige Royal Mile.
Zweimal kamen englische Heere mit Feuer. 1322 schickte Edward II. eine Armee nach Norden, zwei Jahre nachdem die Schott:innen mit der Declaration of Arbroath ihre Unabhängigkeit gegenüber dem Papst bekräftigt hatten. 1384 trafen sich in St Giles’ heimlich Vertreter der Auld Alliance zwischen Schottland und Frankreich, um einen Angriff auf England zu planen. Im Jahr darauf, 1385, schickte Richard II. ein großes Heer, um St Giles’ und andere schottische Kirchen zu zerstören. Vieles überstand den Brand, aber die schwarzen Spuren der Flammen blieben an den Pfeilern bis ins 19. Jahrhundert sichtbar. Bis 1390 war die Kirche mit Hilfe Edinburgher Kaufleute wiederhergestellt.
1466 machte Papst Paul II. St Giles’ zur Kollegiatkirche, mit einem Propst und 14 Präbendaren, die täglich Messen für König Jakob III. und seine Vorfahren lasen. 1508 wurde der Dichter Gavin Douglas Propst. Seine Übersetzung von Vergils Aeneis ins Scots war die erste Übersetzung eines großen klassischen Gedichts in eine moderne germanische Sprache. Er beendete sie 1513, wenige Tage vor der Schlacht von Flodden. 1558 stahlen Protestanten beim St Giles’ Day Riot die Statue des Heiligen. Zwei Jahre später war die katholische Zeit vorbei.
John Knox, Jenny Geddes und der National Covenant
1559 kehrte John Knox aus dem Exil zurück, wo er in Genf Johannes Calvin kennengelernt hatte. Er zog mit einem Heer von Anhängern in St Giles’ ein und predigte dort zum ersten Mal. Eine Woche später wählte man ihn zum Pfarrer, und die Kirche wurde von ihrem katholischen Schmuck befreit. 1560 schaffte das schottische Parlament die Autorität des Papstes ab. Für St Giles’ endeten damit 400 Jahre als katholische Kirche, die Glasfenster wurden entfernt, das alte Kirchensilber eingeschmolzen und verkauft.
Maria Stuart besuchte als Katholikin keine Gottesdienste in St Giles’, war aber in den 1560er Jahren mindestens dreimal im Gebäude, etwa um im Westteil der Kirche das Parlament zu eröffnen. Einmal schickte sie ihren Mann Lord Darnley zum Gottesdienst. Er beschwerte sich hinterher, Knox habe so lange gepredigt, dass er sein Abendessen verpasst habe.
1637 folgte der bekannteste Tumult der Kirchengeschichte. Karl I. wollte ein Gebetbuch nach englischem Vorbild einführen. Als Dean James Hannay daraus vorlas, soll eine Frau namens Jenny Geddes ihren Klappschemel nach ihm geworfen haben, mit dem Ruf: „Dinna say Mass in my lug!“, also sinngemäß: „Sag mir keine Messe ins Ohr!“ Ehrlicherweise: Dass es eine Jenny Geddes gab, ist belegt, das Ereignis selbst nicht. Sicher ist nur, dass ein Aufruhr folgte. 1992 schenkten rund 40 Schottinnen der Kirche eine Bronzeskulptur ihres dreibeinigen Schemels, geschaffen von Merilyn Smith.
Aus dem Widerstand gegen Karl I. ging 1638 der National Covenant hervor. Verfasst haben ihn Alexander Henderson, der im Jahr darauf Pfarrer von St Giles’ wurde, und der Jurist Archibald Johnston of Wariston, ein Mitglied der Gemeinde. Unterzeichnet wurde er in der nahen Greyfriars Kirk, mitten im Greyfriars Kirkyard. In der Südostecke von St Giles’ steht in einem hohen Holzschrank eine zeitgenössische Abschrift, unterschrieben unter anderem vom Marquis of Montrose.
Eine Kathedrale ohne Bischof
St Giles’ heißt Kathedrale, hat aber keinen Bischof, und das hat einen historischen Grund. Karl I. schuf 1633 eine neue Diözese Edinburgh mit St Giles’ als Bischofskirche. 1635 wurde William Forbes ihr erster Bischof. Doch schon 1638 schaffte die Generalversammlung der Kirche die Bischöfe wieder ab. 1660, unter Karl II., kamen sie zurück, 1690 schaffte Wilhelm III. sie endgültig ab.
Den Titel hat die Kirche trotzdem behalten, wie auch die Kathedralen von Glasgow und Dunblane, in Anerkennung der langen Geschichte christlichen Gottesdienstes an diesen Orten. Genau genommen ist St Giles’ also eine presbyterianische Pfarrkirche mit dem Namen einer Kathedrale, die sie im kirchenrechtlichen Sinn nur in zwei kurzen Abschnitten war, von 1633 bis 1638 und von 1660 bis 1690.
Was du drinnen siehst
Drinnen erwartet dich ein Raum, der erst ab 1872 so aussieht. Auf Betreiben des Lord Provost William Chambers wurden damals die Brandspuren von 1385 von den Pfeilern geschrubbt, die Wände verputzt und die Böden mit Zierfliesen neu verlegt. Die Kirche war seit der Reformation in mehrere Kirchen und Räume aufgeteilt gewesen. Chambers wollte einen einzigen Raum für nationale Zeremonien.
Die Thistle Chapel. Du betrittst sie über einen niedrigen Vorraum am östlichen Ende des Preston Aisle. Robert Lorimer entwarf die Kapelle für den Distelorden, Schottlands großen Ritterorden, fertig war sie 1911. Sie hat Stühle für die 16 Ritter, den Stuhl des Souveräns und zwei königliche Stühle, darüber Baldachine mit Helmen und Wappen. Schau dir die Schnitzereien genau an: Dort spielen Engel Dudelsack.
Der Preston Aisle. Sir William Preston vermachte der Kirche einen Armknochen, der als Reliquie des heiligen Giles galt. Für ihn entstand 1455 ein eigenes Seitenschiff. Die Reliquie ist längst verschwunden, sein Wappen mit drei Einhornköpfen siehst du dort noch.
Das Robert-Burns-Fenster. Über dem Eingang hängt seit 1985 ein Glasfenster zu Ehren von Robert Burns, entworfen von Leifur Breidfjörd aus Island. Es zeigt die großen Themen seines Werks, Natur, Menschlichkeit und Liebe. Ganz oben blüht eine Sonne auf, angelehnt an sein Gedicht über die rote, rote Rose.
Die Orgel. Sie steht im Südquerschiff und stammt von 1992. Gebaut hat sie die österreichische Firma Rieger Orgelbau, das Gehäuse aus österreichischer Eiche entwarf Douglas Laird. Ein Stück Heimat mitten an der Royal Mile.
Der National Covenant. Die Abschrift von 1638 steht in der Südostecke.
Eintritt, Öffnungszeiten und Audioguide
Seit Montag, 5. Oktober 2026, verlangt St Giles’ Cathedral zum ersten Mal Eintritt: 12 £, umgerechnet rund 14 €. Früher gab es nur eine empfohlene Spende von 10 £. Kinder unter 16 kommen kostenlos mit, und wer in Schottland wohnt, bekommt einen kostenlosen Resident Pass. Das Ticket kaufst du online oder vor Ort, mit Datum und Uhrzeit. Geöffnet ist montags bis mittwochs und freitags von 10:00 bis 18:00 Uhr, donnerstags bis 17:00 Uhr, samstags von 9:00 bis 17:00 Uhr und sonntags von 13:00 bis 17:00 Uhr. Samstags von 9:00 bis 10:00 Uhr gilt die Stille Stunde.
Im Ticket steckt jetzt mehr als früher: Die Führungen des Teams am Eingang sind dabei, ebenso die Thistle Chapel und der Audioguide. Den startest du über einen QR-Code auf deinem eigenen Smartphone. Er dauert 25 Minuten und braucht 25 MB Speicherplatz, Kopfhörer sind empfohlen, aber keine Pflicht. Den Audioguide gab es bei unserer Prüfung im September in 3 Sprachen, auf Englisch, Deutsch und Ukrainisch. Für 12 £ bekommst du also Kirche, Kapelle, Führung und Audioguide zusammen.
Stufen, Toiletten und Gepäck
In St Giles’ kommst du über eine Rampe hinein, und hinter dem Eingang folgt eine zweite. Das ist der Hauptweg für alle. Die Thistle Chapel hat 4 Stufen am Eingang. Kannst du sie nicht nehmen, zeigt man dir ein Video mit Untertiteln, oder ein Guide erzählt dir von der Kapelle. Auch zum Shop und zu einigen Seitenschiffen führen Stufen.
Wichtig für die Planung: Die Kathedrale hat keine öffentlichen Toiletten und keine barrierefreie Toilette. Die nächsten barrierefreien Toiletten sind in der National Library of Scotland an der George IV Bridge. Eine Garderobe oder Gepäckaufbewahrung gibt es auch nicht, dein Gepäck behältst du bei dir. Hunde sind erlaubt, zwei Rollstühle kannst du ausleihen, und es gibt eine Induktionsschleife für Hörgeräte.






