Bei unserer Ankunft im August 2024 gab es erst einmal ein Guinness im Hotel, mit Blick auf die Forth Bridge. Dann sind wir am Ufer entlanggeschlendert und haben den Möwen beim Schreien zugehört, ein Geräusch, das wir beide lieben. South Queensferry ist ein kleiner Hafenort am Firth of Forth, am Stadtrand von Edinburgh, genau dort, wo die drei Forth-Brücken ans Südufer stoßen. Früher war er ein eigener Royal Burgh. Du kommst mit dem Zug oder dem Bus hin, spazierst über die gepflasterte High Street, schaust dir die Forth Bridge von unten an und fährst mit dem Boot hinaus zu den Inseln. Nachgesehen haben wir am 30.09.2026.
Was South Queensferry ist
South Queensferry ist der frühere Royal Burgh of Queensferry, ein Ort am Ufer am Rand von Edinburgh, der über drei Brücken mit Fife verbunden ist. Auf der anderen Seite des Wassers liegt North Queensferry, und beide Orte rahmen die Forth Bridge, die Forth Road Bridge und die Queensferry Crossing ein.
Denkst du an Queensferry, denkst du wohl zuerst an die Brücken. Der Ort selbst hat aber seinen eigenen Charakter: Straßen mit Granitpflaster, das historische Hawes Inn und Cafés und Restaurants am Ufer mit Blick auf die Brücken. Dazu kommen die Port Edgar Marina mit einem der größten Läden für Bootsbedarf in Schottland und Boote, die unter den Brücken hindurch zu den unbewohnten Inseln im Firth fahren.
Wir haben hier zweimal gewohnt, im Advent 2023 in einer Wohnung und im August 2024 im Hotel Orocco Pier, und den kleinen Ort dabei lieben gelernt. Im Advent leuchteten abends schon die Christbäume durch die Fenster, und die Kleine war hin und weg. Die erste Portion Fish & Chips gab es im Advent im Thirty Knots, und der letzte Abend einer Edinburgh-Reise gehört bei uns ins Scotts. (Unbezahlte Werbung, aber Empfehlung von Herzen.)
Für einen Besuch aus Edinburgh heißt das: Du tauschst für ein paar Stunden die Old Town gegen Wasser, Wind und eine Brücke, die als Ikone Schottlands gilt.
Die Fähre der Königin
Der Name erzählt die Geschichte des Ortes. North und South Queensferry sind beide nach Margaret benannt, der Königin von Malcolm Canmore. Sie richtete eine Fähre über den Firth of Forth ein, für Pilger:innen auf dem Weg nach St Andrews und Dunfermline. Queensferry ist also wörtlich die Fähre der Königin.
Eine regelmäßige Fähre zwischen den beiden Ufern gab es schon im 12. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert galt sie als die belebteste Fähre Schottlands, weil sie den Nordosten des Landes mit Edinburgh und dem Süden verband. Von 1808 bis 1817 entstanden auf beiden Seiten Anleger mit Rampen, die Schiffe bei jedem Wasserstand nutzen konnten.
Diese Anleger blieben bis 1964 in Betrieb. Dann öffnete die Forth Road Bridge, und die Fähre, die seit dem 12. Jahrhundert gefahren war, stellte ihren Dienst ein. Gehst du heute durch den Ort, siehst du noch die Felsbänke, an denen die Fähren einst anlegten.
Hawes Pier und Hawes Inn
Das Herz des alten Fährorts liegt am Hawes Pier, direkt unter der Forth Bridge und gegenüber dem Hawes Inn. Gebaut wurde der Anleger um 1817, und bei der Beleuchtung seines kleinen Leuchtturms beriet der Ingenieur Robert Stevenson.
Das Hawes Inn hat einen Platz in der Literatur: In Robert Louis Stevensons Roman Kidnapped wird hier die Entführung des jungen David Balfour verabredet.
Auch die Männer, die die Forth Bridge bauten, kannten das Gasthaus gut. Im Buch The Briggers, das Lokalhistoriker über die Bauarbeiter zusammengetragen haben, ist von 200 Pints die Rede, die nach Schichtende auf dem Tresen des Hawes Inn bereitstanden. Vom Pier aus schaust du senkrecht hinauf in die rote Stahlkonstruktion der Brücke.
Der Ort zu Fuß und der Forth Bridges Trail
Den Ort erkundest du am besten zu Fuß, und dafür gibt es einen ausgeschilderten Weg. Der Forth Bridges Trail ist ein Rundweg von etwa 5 Meilen, rund 8 km, durch North und South Queensferry, und du kannst an jedem Punkt einsteigen. Auf die andere Seite kommst du zu Fuß oder mit dem Rad über die Forth Road Bridge oder mit dem Zug über die Forth Bridge.
In South Queensferry führt der Trail vom Forth Bridges Viewpoint über Port Edgar, den Hafen, den Bellstane und die High Street bis zum Bahnhof Dalmeny. Unterwegs findest du den kleinsten noch arbeitenden Leuchtturm der Welt.
An beiden Enden der Uferpromenade stehen zwei Denkmäler. Das Briggers Memorial an der Newhalls Road erinnert an die Männer und Jungen, die beim Bau der Forth Bridge starben, der jüngste war 13 Jahre alt. Ein gleiches Denkmal steht in North Queensferry. Der Guardian of the Bridges an der McIvers Brae ist eine Mosaikfigur zum 50. Jahrestag der Forth Road Bridge, im Ort Nessie genannt, mit mehr als 700 Beteiligten entstanden. Am letzten Morgen im August 2024 sind wir vor der Abfahrt noch einmal hinunter zum Wasser gegangen, die Brücken links und rechts von uns.
Museum, Ferry Fair und der Burryman
Mehr über den Ort erfährst du im Queensferry Museum an der 53 High Street. Es erzählt die Geschichte des Ortes, seiner Bräuche und der Brücken, und durch Teleskope schaust du aufs Wasser hinaus. Das Haus selbst wurde 1900 als Viewpoint Temperance Hotel gebaut, ein Hotel ohne Alkohol, und diente im Zweiten Weltkrieg zeitweise als norwegisches Marinekommando. Die aktuellen Öffnungszeiten konnten wir nicht prüfen, schau vor dem Besuch auf die Seite des Museums.
Jeden August feiert South Queensferry die Ferry Fair Week, mit einem Umzug, Schubkarrenrennen und dem Bellstane Walk. Dabei tragen Männer zwei Gewichte von je 80 lb, rund 36 kg, vom Bellstane die High Street entlang und zurück. Wer am weitesten kommt, wird Champion, die ganze Strecke hat noch nie jemand geschafft.
Der bekannteste Brauch ist der Burryman, und den haben wir im August 2024 ganz zufällig erwischt. Beim Warten an der Bushaltestelle staunten wir nicht schlecht, für einen Schnappschuss blieb gerade noch Zeit, dann hüpften wir in den Bus. Vorher kannten wir ihn gar nicht. 😅 Ein Mann aus dem Ort wird mit Kletten bedeckt und zieht durch den Ort, besucht jedes Pub und bekommt dort Whisky, den er durch einen Strohhalm trinkt. Der Legende nach bringt es dem Ort Unglück, wenn der Brauch einmal ausfällt. Im Museum steht ein eigenes Burryman-Kostüm, es heißt Frank.
Bootsfahrten zu den Inseln
Auf dem Wasser siehst du die Brücken von ihrer eindrucksvollsten Seite. Vom Hawes Pier und von der Port Edgar Marina fahren regelmäßig Boote ab, mit Segel oder Motor, tagsüber oder abends, mit oder ohne Landgang. Vom Hawes Pier legen Maid of the Forth und Forth Boat Tours ab, Forth Boat Tours fährt das ganze Jahr.
Zu den Angeboten gehören eine Rundfahrt unter den drei Brücken hindurch und eine Fahrt zur Insel Inchcolm mit Landgang, auf der die Ruine einer alten Abtei steht. Unterwegs siehst du mit etwas Glück Robben und Seeschwalben. Preise und Abfahrtszeiten findest du bei den Anbietern selbst.
Der Uferweg nach Cramond
Hast du nach dem Ort noch Lust zu laufen, nimm den Uferweg nach Cramond. Er ist etwa 4,5 Meilen lang, rund 7 km, und das ganze Jahr offen. Unterwegs kommst du an Hound Point vorbei, wo der Legende nach in stürmischen Nächten der Hund eines Ritters heult, der auf dem Kreuzzug fiel. Von dort siehst du die Insel Inchcolm und die Forth Bridge.
Danach führt der Weg an Barnbougle Castle vorbei, das nicht zu besichtigen ist, und durch das Gelände von Dalmeny House, das derzeit wegen großer Arbeiten geschlossen ist. Hier folgst du dem John Muir Way, und weil Rinder und Schafe frei herumlaufen, bleiben Hunde an der Leine.
Am Ende liegt Cramond mit einem kleinen Sandstrand, einst die größte römische Militärsiedlung Schottlands. Bei Ebbe führt ein Damm zur Insel Cramond Island. Achte dort auf die Gezeiten, sonst sitzt du auf der Insel fest. Wir kamen im Juli 2022 genau zur Flut an den Strand und konnten gar nicht erst hinüber.
So kommst du hin
Aus der Stadt fährst du mit dem Zug oder dem Bus. Dalmeny ist der Bahnhof für South Queensferry, dort halten Züge von ScotRail. Regelmäßige Busse fahren aus Edinburgh, vom Flughafen Edinburgh und aus Dunfermline, sie halten im Ortszentrum und am Südende der Forth Road Bridge. Wir sind 2023 und 2024 mit dem Bus von hier bis zur Princes Street gefahren und im August 2024 mit den Öffis zum Flughafen. Der Flughafen liegt etwa 7 Meilen, rund 11 km, südlich der Brücken, mehr dazu unter Vom Flughafen in die Stadt. Mit dem Auto parkst du am Forth Bridges Contact and Education Centre.
Mit dem Rad erreichst du South Queensferry über die Routen 1 und 76 des National Cycle Network, der Ostweg der Forth Road Bridge ist für Radfahrer:innen offen, außer bei Sturm. Am Forth Bridges Viewpoint am Südende der Brücken gibt es einen Kaffeekiosk und Toiletten.






