Ist Schottland in der EU? Nein. Schottland hat die Europäische Union als Teil des Vereinigten Königreichs verlassen, das Austrittsabkommen trat am 1. Februar 2020 in Kraft. Das Besondere daran: In Schottland stimmten beim Referendum 2016 62,0 Prozent für den Verbleib. Wir erzählen hier, wie es dazu kam, warum in Edinburgh trotzdem die Europaflagge weht und was der Brexit für deine Reise ändert. Spoiler: Der Reisepass gehört wieder ins Handgepäck.
Gehört Schottland zur EU?
Gehört Schottland zur EU? Nicht mehr. Schottland ist Teil des Vereinigten Königreichs, und das Vereinigte Königreich hat die EU verlassen. Das Austrittsabkommen wurde am 17. Oktober 2019 vereinbart und trat am 1. Februar 2020 in Kraft.
Danach folgte eine Übergangsphase vom 1. Februar bis zum 31. Dezember 2020. In diesen 11 Monaten behandelte die EU das Vereinigte Königreich wie einen Mitgliedstaat, allerdings ohne Mitsprache in den EU-Institutionen. Beide Seiten nutzten die Zeit, um das Handels- und Kooperationsabkommen auszuhandeln, das seitdem ihr Verhältnis regelt.
Seit dem 1. Jänner 2021 gelten also auch in Schottland die Regeln für ein Land außerhalb der EU. Einen eigenen Weg für Schottland gab es dabei nicht, weil es kein eigener Mitgliedstaat war.
Wie Schottland 2016 abgestimmt hat
Beim Referendum am 23. Juni 2016 stimmte Schottland EU-freundlicher als jeder andere Landesteil. 62,0 Prozent wählten dort den Verbleib und 38,0 Prozent den Austritt, ein Abstand von 24 Prozentpunkten.
Im Vergleich der Landesteile fällt das richtig auf. In England stimmten 53,4 Prozent für den Austritt, in Wales 52,5 Prozent, in Nordirland 44,2 Prozent. Unter allen Zählregionen hatte Schottland den niedrigsten Anteil für den Austritt, den höchsten hatten die West Midlands mit 59,3 Prozent. Nur in drei Regionen gewann der Austritt keine Mehrheit: London, Schottland und Nordirland.
Innerhalb Schottlands war das Bild einheitlich. Der Verbleib gewann in allen Zählgebieten des Landes. Den höchsten Anteil für den Verbleib hatte Edinburgh, den höchsten für den Austritt Moray. Die Wahlbeteiligung reichte von 76 Prozent in East Renfrewshire bis 56 Prozent in Glasgow City. Mehr Zahlen zur Hauptstadt findest du unter Edinburgh in Zahlen.
Ist Schottland in der EU, obwohl es für den Verbleib stimmte?
Nein, weil das Referendum für das ganze Vereinigte Königreich galt. Gezählt wurden alle Stimmen gemeinsam, nicht nach Landesteilen. Insgesamt stimmten 51,9 Prozent für den Austritt und 48,1 Prozent für den Verbleib, bei einer Wahlbeteiligung von 72,2 Prozent.
In Stimmen waren das 17.410.742 für den Austritt und 16.141.241 für den Verbleib, ein Vorsprung von 1.269.501 Stimmen. Die Mehrheiten in Schottland und Nordirland reichten nicht, um das Ergebnis aus England und Wales auszugleichen. Wie stark eine Region zählte, hing davon ab, wie viele Stimmen dort abgegeben wurden. Der Südosten Englands zählte die meisten Stimmen und hatte damit das größte Gewicht. Wie die Landesteile zusammenhängen, erklären wir unter Schottland, England und das Vereinigte Königreich.
Die Europaflagge in Edinburgh
In Edinburgh weht die Europaflagge auch nach dem Brexit, und zwar jeden Tag. Am St Andrew’s House hängen täglich das Saltire, die Europaflagge und die Flagge der Ukraine. Festgelegt hat das die schottische Regierung in ihrem Flaggen-Leitfaden, zuletzt aktualisiert am 8. Juli 2026. Am Regierungsgebäude Victoria Quay wehen Saltire und Europaflagge. Privatleute dürfen jede Flagge jederzeit hissen, die Europaflagge am eigenen Haus eingeschlossen.
Einen Grund schreibt die Regierung nicht dazu. Sichtbar ist die Flagge trotzdem, und sie weht in einem Land, das 2016 mehrheitlich in der EU bleiben wollte. Mehr zu den Flaggen erzählen wir bei der Flagge Schottlands.
Was der Brexit für deine Reise bedeutet
Für die Reise nach Schottland hat der Brexit vor allem die Einreise verändert. Bürger:innen der EU und der Schweiz brauchen einen gültigen Reisepass. Der Personalausweis reicht nur in Ausnahmen, etwa mit Settled oder Pre-settled Status nach dem EU Settlement Scheme. Wir wissen noch genau, wie es sich im Juli 2022 angefühlt hat, nach einer Anreise voller Hindernisse am Flughafen Edinburgh den Gang zur Passkontrolle entlangzugehen: Wir haben es geschafft!
Dazu kommt die elektronische Reisegenehmigung, die ETA. Sie kostet 20 £ und gilt für Reisen bis zu 6 Monaten, für Urlaub brauchst du damit kein Visum. Jede reisende Person braucht eine eigene, auch Kinder. Wie du sie beantragst, steht unter Einreise mit ETA. An der Grenze dürfen EU- und Schweizer Bürger:innen die automatischen ePassport Gates nutzen.
Beim Auto und beim Handy lohnt ein Blick vorab. Wir waren 2022 einen Monat lang mit dem Mietwagen unterwegs. Dein Führerschein aus dem Heimatland reicht, ein internationaler ist nicht nötig. Für ein Auto mit EU-Versicherung nimm eine Grüne Karte oder einen anderen Versicherungsnachweis mit. Was Anrufe, SMS und Daten kosten, hängt von deinem Anbieter ab, frag also vor der Reise nach.
Bezahlt wird in Pfund Sterling, dazu mehr unter Währung und Bezahlen.
Das Referendum von 2014
Zwei Jahre vor dem Brexit-Referendum hatte Schottland schon einmal über seine Zukunft abgestimmt. Am 18. September 2014 lautete die Frage „Should Scotland be an independent country?“. 55,3 Prozent antworteten mit Nein und 44,7 Prozent mit Ja. Die Wahlbeteiligung lag bei 84,6 Prozent, und erstmals durften auch 16- und 17-Jährige abstimmen, von denen sich 109.533 registriert hatten. Eine Nein-Mehrheit gab es in 28 der 32 Council Areas, darunter Edinburgh. Glasgow stimmte mit Ja.
Damit stimmte Schottland 2014 für den Verbleib im Vereinigten Königreich und 2016 für den Verbleib in der EU. Beides zusammen ging nach dem Brexit nicht mehr. Ob es je ein weiteres Referendum gibt, ist offen, mehr dazu bei der Unabhängigkeit.






