Im Juli 2022, im Clachaig Inn im Glen Coe, war es so weit: Florian bestellte endlich den Haggis, auf den er sich schon ewig gefreut hatte. Romana hatte sich vor der Reise lange gewehrt, auch nur zu kosten, und probierte dann doch. Ihr Urteil: schmeckt echt nicht schlecht. 😅 Haggis ist Schottlands Nationalgericht, eine herzhafte Mischung aus Fleisch und Innereien, Hafermehl, Zwiebeln und Gewürzen. Früher wurde er in einem Schafsmagen gegart, heute meist in einer anderen Hülle, und dazu gibt es Steckrüben und Kartoffeln, „neeps and tatties“. Hier liest du, was drinsteckt, wie er schmeckt, warum Robert Burns ihn berühmt gemacht hat und warum er mit den Regeln in den USA kollidiert. Nachgesehen haben wir am 28.09.2026.
Was ist Haggis?
Haggis ist ein herzhafter Fleischpudding aus Fleisch, Hafermehl, Zwiebeln, Salz und Gewürzen, langsam gegart und Schottlands Nationalgericht. Traditionell kochte man die Mischung in einem Schafsmagen, weil der eine praktische Hülle war. Was ist Haggis in Schottland heute? Meist steckt er in modernen Därmen.
Erfunden haben ihn die Schott:innen nicht unbedingt. Jäger sollen früher Innereien, die sich nicht hielten, mit Getreide gemischt haben. Und die erste schriftliche Erwähnung einer haggisartigen Wurst stammt aus Griechenland: Der Dichter Aristophanes schreibt im Jahr 423 v. Chr. von einer platzenden Wurst.
Und nein, Haggis ist kein kleines Tier, das durch die Highlands läuft. Diesen Mythos räumt sogar der Edinburgher Hersteller Macsween auf seiner Seite aus.
Was im Haggis steckt
Im Haggis stecken vor allem Innereien, Fett und Hafer. Welche genau, hängt vom Hersteller ab, denn jede Metzgerei hat ihr eigenes Rezept. Konkret wird es erst auf dem Etikett.
Nimm im Supermarkt Waitrose eine Packung Haggis des Edinburgher Herstellers Macsween in die Hand, dann liest du: Schweinelunge (24 Prozent), Rinderfett (22 Prozent), Hafer (21 Prozent), Lammlunge (8 Prozent) und Schweineherz (2 Prozent), dazu Lammbrühe, getrocknete Zwiebeln, Salz und Gewürze. Lunge macht damit knapp ein Drittel aus. Weizen kann in Spuren drin sein, wenn du Gluten meidest, schau also genau hin.
Der Hafer ist dabei mehr als Füllmaterial. Er gehört seit Jahrhunderten zur schottischen Küche, vom Porridge bis zu den Oatcakes, und im Haggis von Macsween ist er nach Lunge und Fett die drittgrößte Zutat.
Macsween selbst beschreibt seinen Haggis als Mischung aus Lamm, Rind, Hafer, Zwiebeln und Gewürzen und vergleicht das Nährwertprofil mit einem Lammkotelett oder einem Hähnchenschenkel.
Wie Haggis schmeckt und wie man ihn isst
Haggis schmeckt würzig und hafrig, mit lockerer Konsistenz, eher wie gewürztes Hackfleisch mit Hafer als wie eine feste Wurst. So vergleicht ihn auch Macsween. Bei uns im Clachaig Inn hat eine unserer Töchter natürlich mitgekostet, sie probiert sowieso alles, die andere blieb ganz klassisch bei Nuggets mit Pommes. Und 2025, auf der Route A82 Richtung Glen Coe, gab es im Tyndrum Inn neben Fish & Chips gleich wieder die erste Portion Haggis der Reise.
Klassisch isst du ihn mit neeps and tatties, also Steckrübe und Kartoffel, oft als Püree und gern mit einer Whiskysauce. Moderner wird es mit Balmoral Chicken, Haggis auf Nachos oder als Scotch Egg. Auch beim Full Scottish Breakfast landet er oft auf dem Teller.
Bekommen kannst du Haggis fast überall: beim Metzger, im Supermarkt, im Hofladen und auf den Karten vieler Pubs und Restaurants. Mehr über die Küche des Landes liest du unter schottische Küche, und was in die Sauce gehört, unter schottischer Whisky.
Robert Burns und das Burns Supper
Berühmt gemacht hat den Haggis ein Gedicht. Robert Burns schrieb 1786 die „Address to a Haggis“ und nannte ihn darin den „Great chieftain o’ the puddin-race“, den Häuptling unter den Würsten. Acht Strophen ist das Gedicht lang.
Nach Burns’ Tod 1796 luden seine Freunde zu einem Abendessen zu seinen Ehren, dem ersten Burns Supper. Daraus wurde eine Tradition: Jedes Jahr am 25. Januar, Burns’ Geburtstag, feiert Schottland die Burns Night. Der Höhepunkt: Der Saal wird still, das Gedicht beginnt, und das Messer fährt in den dampfenden Haggis.
Eine Burns Night haben wir selbst noch nicht erlebt. Bist du im Jänner in Schottland, nimm eine mit. Mehr zum Jahreswechsel steht unter Hogmanay.
Ein Edinburgher Haggis: Macsween
Einer der bekanntesten Haggis-Hersteller kommt aus Edinburgh. 1953 eröffneten Charlie und Jean Macsween eine Metzgerei im Stadtteil Bruntsfield, und dort entstand der erste Macsween-Haggis. 1996 nahm die Familie in Loanhead bei Edinburgh die erste reine Haggis-Fabrik der Welt in Betrieb.
Heute führt die dritte Generation das Unternehmen. Den Haggis findest du in britischen Supermärkten, etwa bei Waitrose, und die Zutatenliste steht auf jeder Packung.
Für dich ist das ein handfester Tipp: Ein Haggis aus dem Supermarkt ist ein Mitbringsel, das wirklich aus der Stadt stammt. Denk nur an die Kühlung, auf der Packung steht „Keep Refrigerated“.
Haggis und die USA: das Problem mit der Lunge
Traditioneller Haggis passt nicht zu den US-Lebensmittelregeln, und schuld ist die Lunge. Die US-Vorschrift 9 CFR 310.16 legt fest, dass Lunge von Nutztieren nicht als Lebensmittel verwendet werden darf, für Tierfutter ist sie zugelassen.
Ein Rezept mit Lunge, wie es auf dem Etikett von Macsween steht, verträgt sich damit nicht. Deshalb gilt Haggis in den USA als verboten, und wer ihn dort anbietet, braucht ein anderes Rezept. Dich muss das nicht kümmern, du isst ihn ja in Schottland.
Vegetarischer Haggis
Vegetarischen Haggis gibt es seit über 40 Jahren, und auch er stammt aus Edinburgh. John Macsween schuf ihn 1984 zur Eröffnung der Scottish Poetry Library, aus Gemüse, Pilzen, Hülsenfrüchten, Hafer, Zwiebeln und Saaten, und er ist sogar vegan. Vegetarische Varianten sind in Schottland weit verbreitet.






