Im Juli 2022 sind wir das erste Mal über die Royal Mile flaniert, mitten durch Tourist:innen, Einheimische, Hunde und Dudelsackspieler. So viel Trubel waren wir nach fast einem Monat Rundreise gar nicht mehr gewohnt. 😅 Die Edinburgh Altstadt, die Old Town, zieht sich auf einem Grat vom Edinburgh Castle hinunter zum Palace of Holyroodhouse und ist seit 1995 gemeinsam mit der New Town Welterbe. Ihre Hauptachse ist die Royal Mile, von der schmale Gassen abzweigen wie Gräten von einem Fischskelett. Hier erfährst du, wie die Altstadt aufgebaut ist, warum ihre Häuser so hoch wurden und welche Orte du von oben nach unten abgehen kannst.
Was die Old Town ist
Die Edinburgh Old Town ist der historische Kern der Stadt. Sie reicht vom Edinburgh Castle bis zum Palace of Holyroodhouse, ihre Ursprünge liegen im Mittelalter, und manche Bauten gehen bis ins 12. Jahrhundert zurück.
Gewachsen ist sie organisch, ganz im Gegensatz zur geplanten georgianischen New Town im Norden. Beide zusammen bilden seit 1995 die Welterbestätte „Old and New Towns of Edinburgh“ mit 443 Hektar, und rund 75 Prozent der Gebäude darin stehen unter Denkmalschutz. Old Town, New Town, Dean Village und West End sind außerdem eigene Schutzgebiete, sogenannte Conservation Areas.
Auf deiner Reise ist die Old Town der Teil Edinburghs, in dem die meisten bekannten Orte dicht beieinander liegen: Burg, Kathedrale, Museen und der königliche Palast. Dass Edinburgh seit 1437 Hauptstadt ist, siehst du hier auf engstem Raum, mehr dazu auf der Seite zur Hauptstadt von Schottland.
Ein Grat, eine Hauptstraße, viele Gassen
Die Altstadt liegt auf einem Grat, und das bestimmt alles. Der hohe Rücken führt vom Castle auf seinem Felsen hinunter zum Palace of Holyrood. Oben thront die Burg, unten liegt der Palast, dazwischen fällt das Gelände stetig ab.
Auf dem Rücken verläuft die Hauptstraße, die High Street, die breiteste und längste Straße der Old Town. Heute kennst du den ganzen Straßenzug als Royal Mile: historische Hauptachse mit Kopfsteinpflaster, schmalen Closes und hohen Mietshäusern, das Rückgrat der Old Town, das die wichtigsten Wahrzeichen verbindet. Von ihr zweigen nach beiden Seiten enge Gassen ab, die Closes, Wynds und Courts heißen. Durch einige davon haben wir uns im Advent 2023 bei einer deutschsprachigen Stadtführung lotsen lassen, bis uns am Ende der typische schottische Regen erwischte.
Das mittelalterliche „Fischgrät“-Muster ist bis heute kaum verändert. Die hohen Häuser an der Straße und die schmalen Lücken zwischen ihnen erzeugen das Gefühl eines geschlossenen Raums.
Warum die Häuser so hoch sind
Die Häuser der Old Town sind hoch, weil die Grundstücke schmal waren. Nach schottischer Tradition baute man auf schmalen Parzellen, den „tofts“, in die Höhe, getrennt durch die Closes. So entstanden Mietshäuser, die tenements, die zu den höchsten Gebäuden ihrer Zeit weltweit gehörten.
Auch die Parzellen des unteren Teils haben eine Geschichte. Der Canongate wurde als Abteistadt gegründet, abhängig von der Holyrood Abbey, und seine Grundstücke prägen die Form der Altstadt bis heute.
Ein Beispiel kannst du von innen sehen: Gladstone’s Land, ein restauriertes Kaufmannshaus aus dem frühen 17. Jahrhundert mit sechs Stockwerken. Der National Trust for Scotland zeigt dort bemalte Decken von 1620, und auf einer davon versteckt sich ein Affe. Such ihn!
Viele Häuser an der Hauptstraße sind Kaufmanns- und Adelshäuser des 16. und 17. Jahrhunderts, typisch sind die Treppengiebel. Die hohe, dichte Bebauung prägt bis heute die Silhouette, und die Stadt schützt sie mit einer eigenen Skyline-Politik.
Die Orte der Old Town von oben nach unten
Die Old Town Edinburgh gehst du am besten von oben nach unten ab, entlang der Royal Mile. So folgst du dem Gefälle und hast am Ende den Palast vor dir.
Edinburgh Castle. Die Burg auf dem Felsen sperrt ganzjährig um 9:30 Uhr auf, online kostet der Eintritt 23,50 £, rund 27 €. Rechne mit mindestens 2 Stunden. Unser Ticket im Juli 2022 galt für 12 Uhr, und um 13 Uhr standen wir bei der One O’Clock Gun in der ersten Reihe. Alles dazu auf der Seite zum Edinburgh Castle.
Gladstone’s Land. Das sechsgeschossige Kaufmannshaus mit den bemalten Decken betreibt der National Trust for Scotland, der Eintritt kostet 11,00 £.
St Giles’ Cathedral. Die Kirche gründete König David I. 1124, sie ist älter als der größte Teil der Altstadt. Seit Oktober 2026 kostet der Eintritt 12 £, unter 16 frei. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 10:00 bis 18:00 Uhr, samstags von 9:00 bis 17:00 Uhr mit einer Stillen Stunde bis 10:00 Uhr, sonntags erst ab 13:00 Uhr.
Museum of Edinburgh und The People’s Story. Beide liegen im Canongate, beide sind frei und täglich von 10 bis 17 Uhr offen, letzter Einlass 16:30 Uhr. The People’s Story sitzt im Canongate Tolbooth von 1591, einem der wichtigen frühen öffentlichen Bauten der Stadt.
Palace of Holyroodhouse. Am unteren Ende steht die Residenz des Königs. Im Voraus kostet der Eintritt 22,00 £, dienstags und mittwochs ist in der Regel geschlossen. Wir sind im August 2024 nur außen vorbeigegangen, auf dem Weg zum Arthur’s Seat. Mehr auf der Seite zum Holyrood Palace.
Abseits der Royal Mile
Die Old Town endet nicht an der Royal Mile. Südlich davon führt die Victoria Street in einer Kurve von der George IV Bridge hinunter zum Grassmarket. Sie war Teil eines Stadtplans, den der City Improvement Act von 1827 möglich machte, und über ihren Läden verläuft ein zweiter Fußweg, die Victoria Terrace. Wir haben sie im Juli 2022 an einem Tag ruhig und leer erlebt und am nächsten extrem quirlig.
Nicht weit davon liegt der Greyfriars Kirkyard. Dort wurde 1638 der National Covenant unterzeichnet, im Kampf der Covenanters um Religionsfreiheit.
Auch die Geistesgeschichte hat hier Spuren hinterlassen: 1768 erschien in der Altstadt die erste Ausgabe der Encyclopaedia Britannica, und David Hume und Adam Smith verkehrten in den Tavernen und Salons der Stadt. Erhalten ist außerdem der Mary King’s Close, Preise und Zeiten dazu stehen auf einer eigenen Seite.
Old Town und New Town
Die Old Town hat ein Gegenstück, und beide gehören zusammen. Nördlich der Altstadt entstand zwischen 1767 und 1890 die New Town, eine Folge von sieben geplanten Stadtteilen mit klassizistischen Bauten.
Verbunden sind beide über das Tal, das Sir Walter Scott die „great arena“ nannte, und zwar über die North Bridge, ein Viadukt, und den Mound. Der Kontrast zwischen gewachsener Altstadt und geplanter Neustadt ist der Kern des Welterbes. Willst du von der Altstadt in die New Town, gehst du über eine dieser beiden Verbindungen, etwa auf dem Weg zum Calton Hill. Oben haben wir uns im Juli 2022 wie viele andere auf die Wiese gesetzt und die Aussicht genossen.
Im späten 19. Jahrhundert wurde die Old Town erneuert. Dabei wurde der schottische Baronial-Stil für die Stadt angepasst, und diese Erneuerung hat den Denkmalschutz für Städte beeinflusst.
Ein Tag in der Edinburgh Altstadt
Für die Edinburgh Altstadt reicht ein voller Tag, wenn du drinnen nicht überall stehen bleibst. Beginne um 9:30 Uhr am Castle und nimm dir die empfohlenen 2 Stunden. Danach gehst du die Royal Mile hinab, mit St Giles’ und einem der beiden freien Museen im Canongate. Für den kleinen Hunger: Wir haben 2022 in einem Fish-and-Chips-Laden an der Royal Mile einen frittierten Mars-Riegel geteilt, innen weich, außen knusprig und zum Teilen wirklich gut. 😋
Am Nachmittag erreichst du den Holyrood Palace, der von April bis Oktober bis 16:30 Uhr Einlass gewährt, von November bis März bis 15:15 Uhr. Empfohlen wird ohnehin, erst nach 11:00 Uhr zu kommen. Plan den Tag auf Donnerstag bis Montag.
Burg online und Palast im Voraus kosten zusammen 45,50 £ pro Erwachsenem, rund 53 €. Alles andere auf diesem Weg kostet nichts oder nur eine freiwillige Spende. Bleibst du lieber draußen: Hinter dem Palast beginnt der Holyrood Park mit Arthur’s Seat, kostenlos und rund um die Uhr offen.






