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    Kilt und Tartan

    Das Muster und der Rock

    Kilt und Tartan, erklärt mit unserem eigenen Kilt fürs Wedding Vow Renewal: was ein Tartan ist, wer welchen tragen darf und wo du in Edinburgh kaufst.

    Wissen · Romana und Florian HießLesezeit 5 Min.aktualisiert 30.09.2026

    Roter Tartan-Umhang und Jacke in einem Laden
    Kurz gesagt

    Tartan ist das Karomuster, der Kilt der Rock daraus, und tragen darfst du fast jeden Tartan.

    • Tartan: Karo aus Farbstreifen, über 7.000 Muster verzeichnet.
    • Verbot: nach Culloden 1746, Comeback 1822 in Edinburgh.
    • Regeln: keine Gesetze, nur Traditionen, Balmoral ausgenommen.
    • Register: seit 2009 bei den National Records of Scotland.
    • In Edinburgh: Weberei, Kiltmaker und Kiltverleih.
    Tartan
    Karo aus Farbstreifenzwei oder mehr Farben, senkrecht und waagrecht
    Verzeichnete Tartans
    Über 7.000
    Offizielles Register
    Seit 5. Februar 2009geführt von den National Records of Scotland
    Wer welchen Tartan trägt
    Keine Gesetze, nur TraditionenBalmoral-Tartan der königlichen Familie vorbehalten
    Verbot
    Nach Culloden 1746Comeback mit Georg IV. 1822 in Edinburgh

    Für unser Wedding Vow Renewal 2022 haben wir uns lange mit der Auswahl beschäftigt und am Ende den Buchanan Blue von Lochcarron genommen: als Kilt, als Krawatte, als Umhang zum Kleid und als Tartanrosen für die Mädels. Seither wissen wir, wie viel in so einem Stück Stoff steckt. Der Kilt ist das Kleidungsstück, der Tartan das Muster darauf. Beide gehören zu Schottland wie kaum etwas anderes, und Edinburgh spielt in ihrer Geschichte eine besondere Rolle. Hier erfährst du, was ein Tartan genau ist, woher der Kilt kommt, warum der Tartan einmal verboten war und ob du als Besucher:in einen Clan-Tartan tragen darfst. Nachgesehen haben wir am 30.09.2026.

    Was ein Tartan ist

    Ein Tartan ist ein gewebtes Karomuster aus Farbstreifen, die sich kreuzen. Das schottische Gesetz beschreibt ihn genau: Der Scottish Register of Tartans Act 2008 nennt einen Tartan ein webbares Muster aus zwei oder mehr abwechselnden Farbstreifen, die sich senkrecht und waagrecht zu einem sich wiederholenden Karo verbinden. Die sich kreuzenden Streifen heißen Sett.

    Wie viele Tartans es gibt, lässt sich nur ungefähr sagen, verzeichnet sind über 7.000 Muster. Ein offizielles Verzeichnis gibt es erst seit Kurzem: Den Gesetzentwurf brachte der Abgeordnete Jamie McGrigor im Februar 2007 ein, im November 2008 beschloss das schottische Parlament das Gesetz. Seit dem 5. Februar 2009 führen die National Records of Scotland das Scottish Register of Tartans, beraten vom Court of the Lord Lyon, dem schottischen Wappenamt, und von der Tartan-Industrie. Es enthält Tausende Tartans und die Bestände von drei älteren Registern. Der erste Eintrag mit der Nummer STR 10000 ist der Tartan des Registers selbst.

    Vom Great Kilt zum Kilt von heute

    Der Kilt ist ein gefalteter Rock aus Tartan-Stoff. Sein Vorläufer war der Great Kilt, auf Gälisch feileadh-mòr. Tartan selbst ist viel älter als der Kilt: Den ältesten Tartan fand man in China, um 3000 v. Chr., in Schottland lässt er sich bis ins 3. oder 4. Jahrhundert zurückverfolgen.

    Ein Kilt nach Maß braucht heute viel Stoff, meist 8 bis 9 Yards, je nach Körpermaßen und Größe des Musters, und die Falten werden von Hand genäht. Und er braucht Zeit. Wir haben unseren im April 2022 bei einem Kiltmaker in Edinburgh bestellt, die Lieferzeit lag damals bei 10 bis 12 Wochen, und bis kurz vor dem Abflug haben wir gezittert, ob sich das ausgeht. Der Kilt passte dann wie angegossen. Wer in Edinburgh einen machen lassen will, findet die Werkstätten unter Kiltmaker in Edinburgh.

    Verbot und Comeback in Edinburgh

    Der Tartan war in Schottland einmal verboten. 1745 kam Bonnie Prince Charlie in Tartan gekleidet nach Schottland. Nach der Schlacht von Culloden 1746, in der seine Truppen unterlagen, verbot die britische Regierung den Tartan.

    Sein Comeback begann in Edinburgh. Der Schriftsteller Sir Walter Scott warb für die Rückkehr des Tartans, und 1822 empfing König Georg IV. in Edinburgh die Clan-Chefs. Er war der erste regierende Monarch seit fast 200 Jahren, der Schottland besuchte. Er ließ sich einen Highland-Anzug aus Royal-Stewart-Tartan schneidern und trug ihn bei einem Empfang für 1.200 Herren. Das Porträt des Königs im Kilt von Sir David Wilkie hängt heute im Royal Dining Room des Holyrood Palace. Nach ihm setzte Queen Victoria die königliche Vorliebe für Tartan fort.

    Wer welchen Tartan tragen darf

    Du darfst jeden Tartan tragen, ein Gesetz dazu gibt es nicht. Das Scottish Register of Tartans sagt es deutlich: Es gibt keine Gesetze darüber, welchen Tartan man trägt, nur Traditionen. Traditionell wählt man den Tartan des eigenen Nachnamens oder der Region, aus der die Familie stammt. Im Register kannst du online per Nachname suchen.

    Nicht jeder Name hat einen Tartan, auch wenn er schottisch klingt. Es gibt Muster für Clans und Septs, also Familienzweige, für einige Familien aus den Lowlands, für Regionen und Universal-Tartans, die für alle gedacht sind. Willst du einen Kilt tragen und hast keinen Familien-Tartan, greifst du zu einem davon oder einfach zu dem Muster, das dir gefällt. Schottische Vorfahren brauchst du nicht, Tartan ist für alle da, ob deine Familie aus Schottland stammt oder du nur im Herzen schottisch bist. Eine Ausnahme gibt es aber: Der Balmoral-Tartan ist der königlichen Familie vorbehalten.

    Ancient, Modern, Dress und Hunting

    Derselbe Clan-Tartan kann in mehreren Farbvarianten vorkommen, unterschieden werden fünf Arten. Ancient-Tartans sind mit Pflanzenfarben gefärbt und haben weichere Farben, Modern-Tartans mit chemischen Farben wirken dunkler. Reproduction oder Weathered zeigt die Farben, wie sie bei verwittertem historischem Tartan aussehen. Beim Dress-Tartan ist die Grundfarbe durch Weiß ersetzt, beim Hunting-Tartan durch Braun, Blau oder Grün.

    Die Variante steht oft schon im Namen. Unter den Leih-Tartans von Kinloch Anderson findest du etwa Douglas Modern. Wenn du einen Tartan aussuchst, frag also nach, welche Variante du vor dir hast.

    Was zum Kilt gehört

    Zum Kilt gehören drei klassische Begleiter. Der Sporran ist eine kleine Tasche, die vorn über dem Kilt hängt. Die Kilt Pin, eine schwere Nadel, steckt am äußeren Überschlag. Der Sgian Dubh ist ein kleiner Dolch, der im Strumpf steckt. Zu einem kompletten Outfit, wie es Kinloch Anderson in Edinburgh verleiht, gehören außerdem Jacke, Gürtel, Fliege oder Krawatte, Kilt-Strümpfe mit Kilt Flashes und schwarze Lederschuhe. Die Jacke gibt es dort in drei Stilen, vom formellen Prince Charlie bis zur Tweedjacke für den Tag. Bei uns waren es übrigens genau Weste, Tweedjacke und Schuhe, die ein bis zwei Nummern zu groß kamen, getauscht haben wir sie direkt im Geschäft in Edinburgh.

    Tartan in Edinburgh sehen und kaufen

    Suchst du Tartan Edinburgh-weit, gibt es drei bekannte Adressen. Die Edinburgh Tartan Weaving Mill ist die einzige arbeitende kommerzielle Weberei der Stadt. Bei Kinloch Anderson in Leith kannst du nach dem Tartan deiner Familie suchen lassen, das Haus hat Tartans für die Royal Yacht Britannia, Irn-Bru und Barbour entworfen. Die Auld Alliance Kiltmakers bieten Talks und Workshops an und beziehen ihre Stoffe von Webereien wie Lochcarron of Scotland und House of Edgar. Wir selbst haben 2024 endlich den Scotland Shop besucht, bei dem wir schon ewig online bestellen, mit einer riesigen Auswahl an Tartans.

    Willst du Tartan kaufen, als Schal, Stoff oder Kilt, klär vorher, welche Variante du suchst. Einen Kilt nach Maß bekommst du bei den Kiltmakern in Edinburgh, für einen Anlass kannst du einen leihen, siehe Kiltverleih in Edinburgh. Weitere Themen rund um Schottland findest du unter Wissen.

    Häufige Fragen

    Kilt und Tartan: häufige Fragen

    Was ist der Unterschied zwischen Kilt und Tartan?

    Der Tartan ist das Muster, der Kilt das Kleidungsstück. Ein Tartan ist ein Karo aus abwechselnden Farbstreifen, die sich senkrecht und waagrecht kreuzen. Der Kilt ist ein gefalteter Rock aus diesem Stoff. Tartan gibt es auch als Schal, als Krawatte oder als Hose, die Trews heißt.

    Darf man jeden Tartan tragen?

    Ja. Es gibt keine Gesetze darüber, welchen Tartan man trägt, nur Traditionen. Üblich ist der Tartan des eigenen Nachnamens oder der Herkunftsregion. Hast du keinen, wählst du einen Universal-Tartan oder ein Muster, das dir gefällt. Eine Ausnahme gibt es: Der Balmoral-Tartan ist der königlichen Familie vorbehalten.

    Hat jeder schottische Name einen eigenen Tartan?

    Nein. Nicht für jeden Namen gibt es einen Tartan, auch wenn der Name schottisch ist. Muster gibt es für Clans und Septs, einige Familien aus den Lowlands, für Regionen und als Universal-Tartans für alle. Im Scottish Register of Tartans kannst du online per Nachname suchen, ob es einen gibt.

    Wie viele Tartans gibt es?

    Über 7.000 Tartans sind verzeichnet. Das offizielle Scottish Register of Tartans, das die National Records of Scotland seit dem 5. Februar 2009 führen, nennt keine genaue Zahl. Es spricht von Tausenden Tartans und enthält auch die Bestände von drei älteren Registern. Neue Muster kommen laufend dazu.

    Warum war der Tartan in Schottland verboten?

    Die britische Regierung verbot ihn nach der Schlacht von Culloden 1746. Ein Jahr zuvor war Bonnie Prince Charlie in Tartan gekleidet nach Schottland gekommen, in Culloden unterlagen seine Truppen. Das Comeback begann 1822, als König Georg IV. in Edinburgh die Clan-Chefs empfing und selbst Tartan trug.

    Was ist ein Dress-Tartan?

    Ein Dress-Tartan ist eine Farbvariante, bei der die Grundfarbe des Musters durch Weiß ersetzt ist. Daneben gibt es Ancient mit weichen Pflanzenfarben, Modern mit dunkleren chemischen Farben, Weathered mit verwitterten Farben und Hunting, bei dem die Grundfarbe Braun, Blau oder Grün ist.

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