Im Advent 2023 hat uns der Doppeldeckerbus kurz nach 8 Uhr früh an der Princes Street abgesetzt, und die Stadt lag noch ein wenig im winterlichen Schlaf. Da stehst du schon mitten in der New Town Edinburgh, der geplanten Neustadt nördlich der Altstadt, entworfen 1767 vom Architekten James Craig. Wo die Old Town eng, verwinkelt und hoch ist, legte Craig breite, gerade Straßen, Plätze und Häuserreihen an. Heute ist sie das größte vollständig erhaltene Beispiel georgianischer Stadtplanung der Welt und steht seit 1995 gemeinsam mit der Old Town auf der Welterbeliste der UNESCO. Nachgesehen haben wir am 30.09.2026.
Was die New Town ist
Die New Town ist ein Stadtteil vom Reißbrett, ein Meisterwerk der Stadtplanung und des Neoklassizismus mit symmetrischen Straßen, eleganten Plätzen und langen Häuserreihen. Sie liegt nördlich der Old Town, getrennt durch das Tal, in dem heute die Princes Street Gardens liegen.
Für die Edinburgh New Town gilt, was für die Altstadt nicht gilt: Ordnung. Gebaut wurde sie von 1767 bis 1890, in mehreren Phasen. Bis heute ist sie ein bewohnter Stadtteil, ein Einkaufsviertel und ein Ort der Kultur, mit Institutionen wie der National Gallery of Scotland und der Royal Society of Edinburgh.
Kommst du von der Old Town herüber, merkst du den Unterschied sofort. Statt steiler Gassen und hoher Mietshäuser siehst du lange, gleichmäßige Fassaden, breite Straßen und Plätze mit Gärten in der Mitte.
James Craigs Plan von 1767
Die New Town war eine Antwort auf die Enge der Altstadt. Der Architekt James Craig entwarf seine Pläne 1767 als bewussten Gegenentwurf zu den engen und unhygienischen Verhältnissen der Old Town. Sein Entwurf war symmetrisch und neoklassisch und stand für die Ideale der Aufklärung: Ordnung, Schönheit und Fortschritt.
Die ersten Häuser entstanden ab 1767. Bis in die 1820er Jahre war die erste New Town weitgehend fertig, danach wuchs sie im 19. Jahrhundert in mehreren Phasen weiter. Insgesamt reicht die Bauzeit der New Town von 1767 bis 1890.
Craigs Plan hatte eine klare Hauptachse: die Princes Street, benannt nach den Söhnen von König Georg III. Anfangs war sie eine reine Wohnstraße, die ersten Bewohner:innen zogen in den 1770er Jahren ein. Heute verbindet sie den Bahnhof Waverley mit dem West End. Für uns ist sie die Straße, an der wir 2023 und 2024 aus dem Bus von South Queensferry gestiegen sind.
Charlotte Square und das Georgian House
Am westlichen Ende der ersten New Town liegt der Charlotte Square, für viele der Höhepunkt ihrer Planung. Robert Adam entwarf 1791 die Häuser auf jeder Seite des Platzes als einheitliche Blöcke, sodass jede Seite wie die Fassade eines Palastes wirkt. Der Platz wurde schnell eine der vornehmsten Adressen der Stadt, und heute steht hier Bute House, der Amtssitz des First Minister of Scotland.
In Nummer 7 zeigt der National Trust for Scotland das Georgian House, ebenfalls ein Entwurf von Robert Adam. Es erzählt vom Leben der Familie Lamont und ihrer Bediensteten im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, mit Gemälden von Allan Ramsay, Henry Raeburn und Alexander Nasmyth. Derzeit ist das Haus wegen Konservierungsarbeiten innen und außen geschlossen, ein Datum für die Wiedereröffnung gibt es noch nicht.
Sperrt es wieder auf, gelten diese Preise: Erwachsene 13,50 £, rund 16 €, Kinder 8,00 £, unter 5 Jahren frei, Familien 37,00 £. Einen stufenlosen Zugang hat das Haus nicht, drinnen führen Steintreppen über vier Ebenen.
Princes Street und die Gärten
Die Princes Street ist die bekannteste Straße der New Town, und die meisten ihrer Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz. Selbstverständlich war das nicht: 1949 schlug der Abercrombie Plan einen radikalen Umbau vor, bei dem nur drei historische Gebäude stehen bleiben sollten, und 1967 empfahl ein Bericht durchgehende Balkone im ersten Stock als Gehweg über die ganze Straße.
Auf ihrer Südseite liegen die Princes Street Gardens im Tal zwischen Old Town und New Town, mit Blick auf das Castle. Dort stehen das Scott Monument, der Ross Fountain und die Blumenuhr. Gehst du die Princes Street entlang, hast du die Altstadt auf der einen Seite und die Neustadt auf der anderen. Im Advent 2023 haben wir uns hier in einem Coffeeshop gestärkt, mit heißer Schokolade für die Mädels, und im August 2024 sind wir zu Fuß zum riesigen Johnnie Walker Shop gegangen.
Die zweite New Town und die Circus Lane
Im frühen 19. Jahrhundert wuchs die Stadt weiter nach Norden, in die zweite New Town. Ein Ort zeigt besonders gut, wie sie gebaut war: die Circus Lane. Sie besteht aus zweigeschossigen Mews-Häusern aus dem frühen 19. Jahrhundert, früheren Stall- und Remisenhäusern aus Bruchstein und Sandstein, mit Schieferdächern und Holzsprossenfenstern. Zu ihnen gehört ein früheres doppeltes Kutschhaus, an einigen Häusern siehst du noch die Bögen der alten Tordurchfahrten.
Die Nordreihe der Circus Lane ist die längste zusammenhängende Reihe solcher Mews-Häuser in der zweiten New Town und steht seit 1998 in Denkmalkategorie B. Sie ist ungewöhnlich gebogen, weil sie der Form des Royal Circus folgt. Die Gasse liegt am Übergang nach Stockbridge, wo du mehr über das Viertel liest.
Old Town und New Town
Old Town und New Town sind zwei Hälften einer Stadt, und deshalb hat die UNESCO sie gemeinsam aufgenommen. Das Welterbe umfasst seit 1995 insgesamt 443 Hektar: die gewachsene, mittelalterliche Old Town und die geplante, georgianische New Town, verbunden über das Tal mit den Gärten, die North Bridge und den Mound.
Genau dieser Kontrast ist der Kern des Welterbes: Craigs symmetrischer Plan steht im bewussten Gegensatz zum organischen Grundriss der Altstadt. Rund 75 Prozent der Gebäude im Welterbe sind denkmalgeschützt. Old Town, New Town, Dean Village und West End sind außerdem Conservation Areas, also Gebiete, deren Charakter die Stadt schützt. Die Altstadt ist dabei deutlich älter, manche ihrer Bauten reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, die New Town beginnt 1767. Mehr zur Altstadt liest du unter Old Town.
Ein Spaziergang durch die New Town
Die New Town erkundest du am besten zu Fuß, weil ihr Plan so klar ist. So würden wir gehen: Beginne an der Princes Street mit Blick auf die Gärten und das Castle und geh bis zu ihrem West End. Von dort ist es ein kurzer Fußweg zum Charlotte Square mit Robert Adams Fassaden, dem Georgian House und Bute House. Danach geht es in die zweite New Town zum Royal Circus und zur gebogenen Circus Lane, deren Häuser der Kurve des Platzes folgen. Hast du dann noch Lust, geh weiter nach Stockbridge und am Water of Leith entlang zum Dean Village. Dort waren wir im August 2024, ein ruhiges, tolles Eck mitten in der Stadt.






